The Awakening – Ein Film Von Kenan Emini

The Awakening (das Erwachen) Der Dokumentarfilm The Awakening von Kenan Emini (Roma Antidiscrimination Network) zeigt Momentaufnahmen der politischen und sozialen Lage von Roma in Europa. Der Film ist eine Art Work in Progress und wird stetig verändert, um aktuellen Geschehnissen gerecht zu werden. Was sich nicht verändert, sind die grundlegenden Themen, die der Film behandelt: der Kampf der Roma fürs Bleiberecht, die Folgen für die von Abschiebung Betroffenen (insbesondere für Kinder und Jugendliche) sowie der Rechtsruck in Europa.

Roma werden aufgrund ihrer marginalisierten Lebenssituation in Deutschland als „Wirtschaftsflüchtlinge“ stigmatisiert und rechtlich behandelt. Ihre Armut wird als selbstverschuldet wahrgenommen und damit Diskriminierung legitimiert. Dabei wird völlig verkannt, dass ihre sozioökonomische Situation die Folge von Krieg und anhaltender Ausgrenzung ist.

Als beim Zerfall Jugoslawiens der Nationalismus bei vielen Völkern des ehemals sozialistischen Vielvölkerstaates wieder aufloderte, gehörten Roma zu den Hauptleidtragenden. Viele sind bereits während der ersten Jugoslawienkriege in den 1990ern geflohen. Jedoch war es vor allem der Kosovokrieg, den die NATO auch mit Unterstützung Deutschlands geführt hat, der nach wie vor seine Schatten wirft. So wurden etwa die Häuser der Roma im Krieg zerstört oder von Angehörigen der Mehrheitsgesellschaft enteignet, und viele Roma wurden aus dem Land vertrieben.

Für Roma gibt es in den ex-jugoslawischen Ländern keine Zukunft mehr. Diese Hintergründe zu kennen, ist wichtig, um die aktuelle Situation und die Kämpfe der Roma gegen Abschiebung hierzulande richtig einzuschätzen.

Die Kämpfe werden im Film u.a. anhand der Besetzung des Mahnmals für die im Nationalsozialismus ermordeten Roma und Sinti Europas in Berlin gezeigt. An diesem Ort, der an Verfolgung und Völkermord erinnern soll, protestierten im Mai 2016 50 Roma gegen ihre Abschiebung. Gewaltsam wurde die Besetzung nachts von der Polizei geräumt, und fast alle dort demonstrierenden Roma wurden mittlerweile abgeschoben.

Einen Mangel an historischem Bewusstsein zeigt Deutschland auch mit Erklärung von sechs Balkanländern zu so genannten sicheren Herkunftsstaaten. Das Recht auf Asyl wird damit für die betroffenen Menschen, vor allem Roma, ausgehebelt und deren Abschiebung massiv gefördert. Dass dort lediglich materielle Not, Marginalisierung und Diskriminierung für sie sicher sind, wird im Film eindrücklich gezeigt. Ihre Kinder, die in Deutschland geboren und sozialisiert sind, werden ihrer Zukunft beraubt – viele von ihnen werden nie wieder eine Schule besuchen, da sie oftmals nicht einmal die dortige Sprache sprechen.

Der Film zeigt, dass die Diskriminierung gegen Roma durch das wieder zunehmende Erstarken rechter Bewegungen und Parteien in Europa verstärkt wird und sie immer wieder Ziel nationalistischer Angriffe und anderer Menschenrechtsverletzungen werden.

Seit Beginn der Jugoslawienkriege sind mittlerweile fast 30 Jahre vergangen, und mehrere Generationen von Roma sind in einer Situation der Heimatlosigkeit aufgewachsen oder in sie hineingeboren worden. Ein Zuhause gibt es für Roma in den Balkanstaaten nicht mehr, daher kommen sie nach ihrer Abschiebung wieder. Deutschland hat nie seine historische Verantwortung für den Völkermord und seine Beteiligung am Kosovokrieg übernommen, indem es den Roma einen sicheren Aufenthalt gewährt hätte. Endlich ein Bleiberecht und gesellschaftliche Beteiligung zu erwirken – das gehört zu den wichtigsten Zielen von Roma-Initiativen wie alle bleiben!, deren Kämpfe im Film gezeigt werden.

 


 

The documentary The Awakening by Kenan Emini from Roma Antidiscrimination Network shows sequences of Roma‘s political and social situation throughout Europe. The film is a work in progress, and is consistently changed to meet current events, while the film‘s fundamental issues don‘t change: the Roma‘s fight for the right to stay, the consequences of deportation (esp. for children and adolescents) as well as the shift to the right in Europe.

Due to their economically marginalised situation, Romani people are stigmatised and treated as economic migrants[1] in Germany. Their poverty is perceived as self-inflicted, and hence discrimination is legitimised. Usually, it is overlooked that their socio-economic situation is a consequence of war and persistent social exclusion.

When nationalism grew strong during the breakup of Yugoslavia, Romani people were among its main victims. Many fled already during the first Yogoslav Wars in the 1990s. But it is mainly the Kosovo War, conducted by NATO also with German support, that still casts its shadows. The Roma‘s houses have been destroyed by the bombing or expropriated by the majority society, and a lot of  Romani people have been displaced from their country.

There is no future for Romani people in former Yugoslavia. It is important to know these backgrounds to understand the actual situation and to see the Roma‘s fights against deportation in the right light.

The occupation of the Memorial to the Sinti and Roma Victims of National Socialism

in Berlin is one example for these fights shown in the film. In May 2016, 50 Roma protested against their deportation at this place, that is to commemorate persecution and genocide. At night, the occupation was violently cleared by the police, and virtually all protesting Roma have been deported by now.

Also, by declaring six countries of former Yugoslavia as „safe states of origin“, Germany shows a lack of historical awareness. The right to asylum is thereby annulled for the affected people, mostly Roma, and deportation is facilitated. These countries aren‘t safe for Roma. The film shows, that poverty, marginalisation and discrimination are commonplace for them. Their children, born and socialised in Germany, are deprived of their future. Many of them won‘t go to school ever again, because few of them hardly speak the local language.

The film shows, that the rise of right-wing political movements and parties in Europe is also affecting Roma in a way that they are the victims of nationalist attacks and other human rights violations.

Almost 30 years have passed since the beginning of wars in Yugoslavia, and several generations of Roma were born or raised into a situation of rootlessness. There is no home for them in the Balkan States. Therefore they come back to Germany after they have been deported. Germany still hasn‘t assumed historical responsibility for the genocide during World War 2 and its involvement in the Kosovo War by granting Roma a security of residence. Fighting for the right to stay and for social participation are among the main aims of Roma-initiatives like alle bleiben!, whose fights are shown in the film.

[1]     The german term „Wirtschaftsflüchtling“ is usually used in a pejorative way.

 

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